Nestlé und die südafrikanischen Ressourcen
11.06.2010 10:49 // Anja Herberth
Der Konzern Nestlé ist dieser Tage wieder im Kreuzfeuer der Kritik – und die Reaktion des Unternehmens lässt wie bei den Vorwürfen zur Verwendung des indonesischen Palmöls zu wünschen übrig.
Diesmal haben Nachforschungen der entwicklungspolitischen Organisation ‚Entwicklung von Bern (EvB)’ und ‚Natural Justice’ ergeben, dass der Konzern fünf Patente zur Verwendung von Rooibos und Honeybush angemeldet hat. Diese beiden Pflanzen sind in Südafrika heimisch und werden von dort aus in viele Länder der Welt exportiert. Vier Patente betreffen Anwendungen zur Behandlung von Haut- und Haarkrankheiten, ein Patent beschäftigt sich mit der Verhütung von Entzündungen.
Die Vorgehensweise von Nestle verletzt allerdings südafrikanisches Recht sowie die Biodiversitätskonvention, da Nestlé für die Nutzung genetischer Ressourcen aus Südafrika eine Regierungsbewilligung benötigen würde (die es nicht hat). Und diese erhält das Unternehmen nur dann, wenn ein Abkommen zur Aufteilung daraus entstehender Gewinne ausgehandelt würde.
Laut dem südafrikanischen Umweltministerium hatte Nestlé eine derartige Bewilligung weder beantragt noch erhalten; die Patentanmeldungen sind daher ohne Rücksprache mit der Südafrikanischen Regierung über die Bühne gegangen. Nun kursiert im Web seit Ende Mai der Vorwurf der Bio-Piraterie - und seitens Nestlé gibt es lediglich eine Stellungnahme, dass man die Vorwürfe bestreitet. Punkt.
Aus der Kitkat-Reputationskrise hat man in den heiligen Hallen von Nestlé anscheinend noch nichts gelernt – denn es zeichnet sich eine weitere, globale Welle der Entrüstung ab. Mike Schwede von orange8 interactive hat die Auswirkungen für Nestle bereits im März analysiert: Waren es im Januar noch 58% positive und nur 11% negative Nennungen in Blogs, so änderte sich dies bereits nach dem Kitkat-Supergau in lediglich 32% positive und 30% negative Nennungen zu Nestle.
Als Kommunikationsberaterin fragt man sich daher: Wie weit muss die Reputation noch sinken, bis Konzerne zu handeln beginnen?
Links:
Greenpeace: http://bit.ly/b3CD1D
‚Erklärung von Bern’: http://bit.ly/bern_nestle
WWF / Biodiversitätskonvention (CBD): http://bit.ly/90wfcN
Analyse von Mike Schwede zur Online-Reputation von Nestlé: http://bit.ly/analyse_schwede

